Störungen im Kleinkind- und Vorschulalter

Im Kleinkind- und Vorschulalter müssen Kinder bestimmte Entwicklungsaufgaben bewältigen. Die notwendigen Entwicklungsschritte betreffen im Wesentlichen die Bereiche Eltern-Kind-Bindung, soziale Beziehungen und Sozialverhalten sowie die sprachliche und die motorische Entwicklung. Erste Formen selbstständigen Verhaltens, die Identitätsentwicklung und die Ausbildung eines Selbstkonzepts gehören ebenso dazu, wie die Entwicklung eines Verständnisses von Norm- und Moralvorstellungen. Diese Fülle von Anforderungen erfordert ein hohes Maß an Lern- und Anpassungsbereitschaft von den Kindern. Dies birgt das Risiko von Konflikten im Umfeld des Kindes (z.B. innerhalb der Familie, des Kindergartens, des Freundeskreises oder des Sportvereins).


Ob es bei einem Kind zu Auffälligkeiten kommt und falls ja, wie stark diese zu Tage treten, hängt maßgeblich davon ab, welche Risiko- und Schutzfaktoren individuell wirken. Diese destabilisierenden beziehungsweise stabilisierenden Faktoren können auf körperlich-somatischer Ebene (z.B. chronische Erkrankung, Stärke des Immunsystems, genetische Faktoren, Temperamentsmerkmale, Geschlecht) angesiedelt sein. Sie können jedoch auch auf psychosozialer Ebene wirken (z.B. Eltern-Kind-Bindung, Stabilität der elterlichen Paarbeziehung, Geschwister-konstellation, Erziehungsverhalten der Eltern, soziokulturelle Faktoren). Schließlich haben auch (belastende) Lebensereignisse einen Einfluss auf die psychische Stabilität eines Kindes.
 

Die Erscheinungsformen der Störungen im Kleinkind- und Vorschulalter sind heterogen. Sie reichen von kindlichem Trotz über oppositionell-aggressives Verhalten hin zu Ablenkbarkeit, motorischer Unruhe und Impulsivität. Emotionale Auffälligkeiten (z.B. Trennungsängste, objekt- oder situationsgebundene Ängste, soziale Ängste, Mutismus, depressive Verstimmung) treten ebenso auf, wie umschriebene Entwicklungsstörungen (z.B. Artikulations-, Sprech- und Sprachstörungen). Darüber hinaus kann es zu Schlaf- oder Essstörungen kommen oder es können Probleme bei der Sauberkeitserziehung auftreten.


Viele Störungen bei Schulkindern, Jugendlichen und Erwachsenen lassen sich mit frühen Auffälligkeiten der Kleinkindzeit in Verbindung bringen. Eine rechtzeitige Intervention wirkt demzufolge präventiv. Es gilt, bedacht abzuwägen, ob das Problemverhalten noch eine Normvariante des Verhaltens ist oder ob es bereits als störungsrelevant einzustufen ist. In diesem Fall wäre ein „Auswachsen“ der Störung nicht zu erwarten.

 

Eine Psychotherapie setzt multimodal an. Nach einer ausführlichen Diagnostik und Anamnese-erhebung wird einerseits direkt mit dem Kind gearbeitet. Auf dieser Ebene kommen sowohl unspezifische Therapieelemente (z.B. therapeu-tische Beziehung) als auch spezifische Wirk-faktoren zum tragen (es gibt beispielsweise für viele der oben aufgeführten Problembereiche evaluierte Therapieprogramme). Andererseits werden verhaltenstherapeutisch orientierte Elterntrainings durchgeführt. Diese werden ergänzt durch eine Unterstützung der Familie in Abhängigkeit der individuellen Ausprägungen der oben genannten Risiko- und Schutzfaktoren. Schließlich werden – bei Bedarf – wichtige Bezugspersonen des kindlichen Umfeldes (z.B. Erzieherin im Kindergarten) mit einbezogen.